Erforderlicher Wissensstand: Basiswissen
Die Gesellschaft fordert zunehmend Transparenz in Bezug auf die Tierhaltung. Betriebe, die ihren Kunden Einblicke in Haltung und Tierwohl bieten, können Wettbewerbsvorteile erzielen. Hier liegt großes Potential in Einzeltierdaten ("Von welchem Tier stammt mein Fleisch?") und Informationen zur Wertschöpfungskette vom Stall bis zum Teller. Mit einem digitalen Produktpass (DPP) von Narravero™ können diese Informationen einfach und direkt an Kunden übermittelt werden. Produkte werden mit einem QR-Code ausgezeichnet, der zu einer flexibel gestaltbaren App-Oberfläche führt.
In diesem Praxisbeispiel erklären wir die Erstellung und Einführung des Narravero™ Produktpasses für Rindfleischprodukte.
Als Pilotprojekt wurden am Betrieb Gut&Bösel verschiedene Rindfleischprodukte mit einem digitalen Produktpass der Firma Narravero™ ausgestattet.
Der DPP ist ein innovatives Tool zur Transparenz, insbesondere zur Kommunikation von Einzeltierdaten und auch Sensordaten. Die Integration von Bildmaterial, Tierdaten, Sensordaten und der Umfrage hat zuverlässig funktioniert und es gibt flexible Möglichkeiten für die Gestaltung.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Kunden die bereitgestellten Informationen durchweg positiv wahrgenommen und besonders Kerndaten zum Tier (Ohrmarke, Gewicht, Foto) als hilfreich und glaubwürdig beurteilt haben. Kürzere, prägnante Informationen steigern die wahrgenommene Relevanz.
Insgesamt zeigt der Pilotversuch jedoch auch, dass der QR-Code bei nur 3% der vermarkteten Produkte gescannt wurde und somit der Produktpass eher geringere Klickzahlen verzeichnet. Dies kann u. a. auf die besondere Vermarktungssituation von Gut & Bösel zurückgeführt werden: Die Produkte sind ausschließlich über den betriebseigenen Onlineshop, Hofladen oder Veranstaltungen verfügbar und Kunden sind meist bereits umfassend informiert. Ein DPP scheint damit besonders für Betriebe geeignet, die ihre Produkte in Supermärkten oder im Wettbewerb mit anderen Produkten präsentieren, und bietet hier Potentiale für eine Steigerung von Vertrauen und Kundenbindung durch Transparenz.
Vorarbeit notwendig: Registrierung Im Narravero Webportal
| Im Narravero Webportal kann das Produktetikett mit QR-Code gestaltet werden. Die App gibt ein Grundgerüst vor und zusätzlich können eigene Grafiken, Bilder, Farben hochgeladen und verwendet werden. Die Etiketten werden mit dem zugehörigen Druckersystem gedruckt. |
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| Für die Gestaltung der Inhalte, die im DPP angezeigt werden sollen, können Vorlagen im Narravero Webportal angelegt werden. In einer Vorlage können verschiedene Abschnitte gestaltet und Bilder, Texte, Videos eingefügt werden. Farben und Schriftart sind auswählbar und der Kundensupport von Narravero hilft bei Bedarf bei der Gestaltung. Diese Vorlagen werden später genutzt, um tierspezifische QR-Codes hinzuzufügen (siehe Schritt 6). |
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Wenn der QR-Code auf dem Produkt erscheint, werden Kunden ihn nicht automatisch als Digitalen Produktpass erkennen und scannen. Daher sind begleitende Werbemaßnahmen notwendig. Am Produkt selbst kann das Etikett mit Erklärungen und Hinweisen versehen werden. Zusätzlich können Flyer oder Aufsteller gedruckt werden. Erklärvideos und weiterer Content per Social Media eignen sich ebenfalls zur Bewerbung. Bei allen Werbemaßnahmen sollte vor allem der Nutzen des DPPs für Kunden kommuniziert werden.
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Neben der Übermittlung von Informationen bietet ein DPP auch Möglichkeiten der Interaktion mit Kunden. Im Pilotversuch wurde beispielswiese zu Forschungszwecken eine Umfrage integriert. Dafür konnte in der DPP Vorlage ein “Umfrage”-Button angelegt werden, der per Link zur einem Microsoft Forms Dokument führt. Mit einem Microsoft-Account kann unter “www.forms.office.com” eine Umfrage erstellt werden, indem ein neues Formular angelegt wird und Fragen hinzufügt werden. Es lassen sich verschiedene Fragetypen wie Multiple Choice, Text oder Bewertungen nutzen und Einstellungen wie Pflichtfragen oder anonyme Antworten festlegen. |
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Der Pilotversuch wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes durchgeführt, in dem weitere Sensorsysteme bei den Tieren zum Einsatz kamen. Die gesamte Rinderherde wurde mit eShepherd Virtual-Fencing-Halsbändern ausgestattet, die minütlich GPS-Koordinaten und IMU-Daten senden, und zusätzlich mit smaXtec Pansenboli, die im 10-Minuten-Takt physiologische Daten der Tiere liefern. Als innovatives Element wurden diese wissenschaftlichen Daten live in den DPP integriert. Dafür wurden zunächst vollautomatische und halbautomatische Schnittstellen zu den Server-Infrastrukturen der Hersteller smaXtec und eShepherd eingerichtet, welche die Sensordaten kontinuierlich in die zentrale betriebliche PostgreSQL-Datenbank übertragen. Dann wurde eine Schnittstelle zum DPP entwickelt. Die technische Umsetzung erfolgte durch einen auf dem Server eingerichteten CRON-Job, der täglich Python-Skripte ausführt, welche die aktuellen Daten über die API von Narravero übertragen. Dieser Automatisierungsgrad ermöglicht es, wissenschaftliche Daten ohne manuelle Eingabe täglich zu aktualisieren und direkt für Nutzer:innen des DPP zugänglich zu machen.
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Die Zerlegung und Vermarktung der Rindfleischprodukte wird im Pilotprojekt im Betrieb durchgeführt. Die entsprechenden Einzeltierdaten (Ohrmarke, Geburtsdatum, Lebendgewicht, Foto) werden gesammelt im Narravero Webportal eingegeben, um damit einen tierspezifischen QR-Code zu kreieren. Dann werden die Etiketten gedruckt und auf den entsprechenden Produkten angebracht. |
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| In der Narravero Plattform können Analytics eingesehen werden, um die Klickzahlen und die Verweildauer der Kunden im DPP zu tracken. Daraus lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie Kunden den DPP annehmen und ob Optimierungen notwendig sind (z.B. mehr Werbung, um die Klicks zu steigern, oder bessere Inhalte, um die Verweildauer im DPP zu erhöhen). |
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| Die Ergebnisse der Umfrage lassen sich bei Microsoft Forms automatisch auswerten und bei Bedarf in Microsoft Excel exportieren. |
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| Verbesserte Rechtssicherheit: |
kein Zusatznutzen |
| Entbürokratisierung: |
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| Beitrag zur digitalen Transformation: |
📈📈 |
| Vereinfachtes Datenmanagement: |
📈📈 |
| Einsparung Betriebsmittel: |
kein Zusatznutzen |
| Einsparung Arbeitszeit (Vermarktung): |
📈📈 |
| Bessere betriebliche Planungssicherheit: |
kein Zusatznutzen |
| Mehrertrag/ höhere Leistung (Vermarktung): |
📈📈 |
| Entscheidungs-Unterstützung (wenn Umfrage integriert): |
📈📈 |
| Steigerung Ressourceneffizienz: |
kein Zusatznutzen |
| Positive Wirkung auf das Tierwohl: |
kein Zusatznutzen |
| Steigerung Biodiversität: |
kein Zusatznutzen |
| Emissionsminderung: |
kein Zusatznutzen |
| Erhöhung Attraktivität des Arbeitsplatzes (Vermarktung): |
📈📈 |
| Arbeitserleichterung (Vermarktung): |
📈📈 |
| Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raumes: |
nicht bewertbar |
| Verbesserung Arbeitssicherheit: |
kein Zusatznutzen |
| Verbessertes Image: |
📈📈📈 |
Produktionsbereich:
Produktionsrichtung: Tierhaltung
Arbeitsbereich: Vermarktung
Einsatzhäufigkeit:
Übertragbarkeit:
Anschaffungskosten (Richtwerte):
Laufende Kosten:
Testumgebung:
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Institution: Finck Stiftung gGmbH |
Institut: / |
| Autoren: Julia Toups |
Kontakt: julia@gutundboesel.org |